Trauerbegleitung & Gefühlearbeit: Eine Klientin erzählt ihre Geschichte

24/01/2020

Ganz überraschend landete heute dieser Dankesbrief in meinem Postfach. Ich durfte Lisa (wie du gleich sehen wirst, eine begnadete Fotografin) letztes Jahr mehrere Monate begleiten und jetzt teilt sie ihre berührende Geschichte und auch ihre wundervollen Fotos mit euch - um Menschen Mut und Hoffnung zu machen, denen es vielleicht ähnlich geht.

Eine Woche im Jahr weinte ich mich voller Verzweiflung und tiefen Schuldgefühlen in den Schlaf. Danach konnte ich es wieder so weit verdrängen, dass es mir wieder für ein Jahr gut ging.

 

Nach 12 Jahren allerdings endete dieses Weinen nicht mehr nach einer Woche. Ich weinte mich über drei Monate in den Schlaf. Diese Verzweiflung, die Trauer und die Schuldgefühle spüre ich deutlich, während ich diese Zeilen schreibe. Ich weine dabei, weil ich so unglaublich gelitten und mich geschämt habe für meine Schuld. Ich war nicht mehr nur abends traurig, sondern den ganzen Tag niedergeschlagen und weinerlich.

 

Also erzählte ich unter Tränen meinem Partner davon, der mir zu einer Therapie riet. Ich muss ehrlich sagen, ich sträubte mich anfangs dagegen, entschied mich dann aber doch dafür.

 

Nach vier Monaten in psychotherapeutischer Behandlung, die mich kein Stück weitergebracht hatte, – im Gegenteil, mir ging es schlechter als je zuvor -  wurde mir Conny empfohlen. Ihren Namen schreibe ich mit großer Dankbarkeit.

 

Ich fühlte mich sofort wohl bei ihr. Sie sah mich immer so verständnisvoll an. Ich hatte das Gefühl, als würde sie meine Qual selbst spüren und konnte mir dadurch umso besser helfen.

 

Jeder verarbeitet den Suizid eines wichtigen Menschen anders. Einige werden wütend, andere trauern ganz offen, andere gehen in Therapie und wieder andere verdrängen und wollen nicht darüber reden. Das war ich, viele Jahre lang. Ich war davon überzeugt, dass ich seinen Tod verhindern hätte können. Nur wegen meiner Sturheit hat sich ein guter Freund umgebracht.

 

Mit Conny lebte ich alles noch einmal durch...

 

 

Als mich meine Mama weckte und ich auf den leuchtenden Mond stieg. Als ich ihn sah. Als ich einfach so wieder ins Bett ging und schlief, als wäre nichts gewesen.

 

Ich musste das alles aber nicht allein durchleben, sondern war immer gut behütet von Conny. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass ich mich dafür hasse. Schuldgefühle ja, aber Selbsthass? Jetzt im Nachhinein gesehen ist es logisch. Ich habe nach seinem Tod innerhalb von wenigen Monaten 30kg zugenommen, um meinen Schmerz zu ertragen und die Trauer und Scham zu verdrängen. Ich habe mir antrainiert, es allen recht machen zu wollen, aus Angst, dass sonst wieder etwas passieren könnte.

 

 

Conny schaffte es immer, dass ich mich nach einer Sitzung bei ihr – so anstrengend sie auch war – immer gut fühlte. Sie wusste genau, welche „Technik“ ich an diesem Tag benötigte, um weiter zu kommen und trotzdem nicht überfordert zu sein.

 

 

Nach sechs Monaten harter Arbeit, vielen Tränen, aber auch Rückschlägen und einer geduldigen und verständnisvollen Conny, war ich soweit, das Thema endlich abschließen zu wollen. Ich dachte schon länger darüber nach, hatte aber keine Lösung.

 

Eines Nachts kam mir dann die Idee, ein Fotoprojekt meines Trauerprozesses der letzten Jahre umzusetzen. Aus etwas Schrecklichem etwas Schönes zu machen. Anfangs begeistert von der Idee, fiel ich in Selbstzweifel, ob es gut genug werden würde. Fast hätte ich es nicht gemacht.

Conny bestärkte mich und gab mir den Mut, es einfach zu machen – für mich.

 

Der ganze Schöpfungsprozess, das Planen, die Locationsuche, das Fotografieren, das Bearbeiten hat mir so viel Kraft gegeben, Hoffnung, Dankbarkeit und Freude.

 

Die Freude am Tun war wichtig. Das Ergebnis war zweitrangig.

 

 

An seinem 13. Todestag veröffentlichte ich die Bilder – mit meiner Geschichte - auf Facebook. Nicht, um viele „Gefällt mir“ zu bekommen. Sondern um vielleicht zumindest einem Menschen Mut zu machen und Hoffnung zu geben. Hoffnung darauf, dass alles besser werden kann.

 

 

Ich möchte mich hiermit ganz offiziell bei Conny bedanken. Einen Menschen wie sie zu finden, der so viel Verständnis und dennoch Professionalität besitzt. Der einen nicht allein lässt, der ehrlich ist. Und so unglaublich herzlich. Danke, dass es dich gibt. Danke, dass du immer wusstest, was mir gut tut. Danke, dass du mit mir diese schwere Zeit durchgestanden hast. Einfach danke!

 

Lisa

 

 

Hier findest du übrigens die gesamte Fotoprojekt und Lisas persönliche Geschichte auf Facebook.

 

 

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